20.07.2018

„Mit Fantasie können Sie Defizite ausgleichen“

Wissenschaftskabarettist Vince Ebert beim Marketing Club Karlsruhe

Karlsruhe. Auf die Digitalisierung in unserem Leben kann man mit Vorsicht und Vorbereitung reagieren – oder mit Humor. Den Weg des Lachens wählte der Marketing Club Karlsruhe mit einem launigen Vortrag des Wissenschaftskabarettisten Vince Ebert am 19. Juli in der ICF Eventhall: „Mit gesundem Menschenverstand durch die Digitalisierung“. Dabei sprach Ebert den Menschen diesen Verstand immer wieder ab. Und er weiß, wovon er redet, denn er ist „nach Oskar Lafontaine und Angela Merkel der dritte deutsche Physiker, der sein Geld im Bereich Kabarett und Comedy verdient“. 

Nüchtern betrachtet, so Vince Ebert, müsse man keine Angst vor Big Data haben. Kreativität und Humor könne man nicht durch Algorithmen abbilden. Wer beides jedoch nicht habe, der müsse sich umstellen. „Mit Fantasie können Sie jedoch eine Menge Defizite ausgleichen.“ Allerdings: „Wir müssen unser Gehirn richtig nutzen. Es wurde nicht dafür konstruiert, um Powerpoint-Präsentationen zu formatieren oder Excell-Listen aufzustellen, sondern um Ideen zu entwickeln und um andere mit diesen Ideen zu begeistern.“ Der ernste Kern der Botschaften wurde sofort mit einer nachdenklichen Note unterstrichen, die sich sogleich in Lachen auflöste. Manchmal bitterböse: Heutzutage könne Rudolf Mooshammer gar nicht mehr erdrosselt werden – in einer Welt der schnurlosen Telefone.

Ebert sprach der Digitalisierung die Macht ab, unser Leben sinnvoll neu auszurichten. Ob bei Partnersuchbörsen, die unser Verhalten aus der Vergangenheit analysierten, aber keinen Plan für die Zukunft aufwiesen. Oder beim Erkennen seines Einkaufsverhaltens. Dabei komme immer wieder der kleine Anarchist in ihm durch, wenn er die Analytiker mit seinem Warenkorb irritiere: „Eine Flasche Korn, Zahnseide und die Zeitschrift Emma.“ Allerdings erzielte Amazon bei einer Kaufempfehlung einen Treffer und schlug ihm sein eigenes Buch vor: „Das könnte Ihnen gefallen.“ Aber ja, grinste Ebert: Ein wirklich gutes Buch!

In der Reise durch mehr Automatismus und Datenanalyse schrieb Ebert den Unternehmern und Führungskräften im Plenum ins Stammbuch: Wer sich in dieser Welt durchsetzen wolle, brauche „Leidenschaft, Freiheit, Humor und den Mut, Fehler zu machen.“ Alles Dinge, die ein Computer niemals könne. „Tun Sie ab und an mal was Bescheuertes“, so Ebert. Das müsse ja nichts Großes sein. „Aber wenn wir Menschen niemals etwas Bescheuertes gedacht hätten, wäre auch niemals etwas Vernünftiges entstanden.“ Dem schloss sich der neue Präsident des Marketing Clubs, Richard Einstmann, an und rief zum kreativen Austausch der Wirtschaftsköpfe der Region auf: „Seien wir alle vernetzt!“

Marketing-Club Karlsruhe - Veranstaltung mit Vince Ebert am 19. Juli 2018 - Foto: Andrea Fabry, Ettlingen