27.01.2018

„Energie schläft nie“

Energieexperten aus der Region diskutieren beim Jahresauftakt des Marketing-Clubs Karlsruhe bei der EnBW-Zentrale in Karlsruhe

„Warum beschäftigen Sie sich gerne mit Energie?“ wollte Moderatorin Ariane Bertz von den Podiumsteilnehmern bei der Jahresauftakt-Veranstaltung des Marketing-Clubs Karlsruhe wissen. Mit Steffen Ringwald (EnBW), Lars Ziegenbein (Stadtwerke Karlsruhe), Jochen Ehlgötz (TRK) und Michael Schön (fokus.energie) hatte der Club am Donnerstag Abend vier Experten aus der Region eingeladen, die sich den Fragen zur Zukunft der Energie stellten.

„Die Energiewirtschaft ist so komplex, dass sie für Nicht-Experten eigentlich nicht zu durchschauen ist“, meinte EnBW-Vertreter Steffen Ringwald, der an dem Abend zugleich Gastgeber war. Dennoch versuchte er gemeinsam mit seinen Mitstreitern den rund 100 Teilnehmern aufzuzeigen, wo die Zukunft der Energie liegt. „Weil’s spannend ist.“, beantwortete er zunächst schlicht die Eingangsfrage der Moderatorin und Lars Ziegenbein von den Karlsruher Stadtwerken ergänzte: „Energie schläft nie.“ Dass die regenerativen Energien auf dem Vormarsch sind und in 50 Jahren einen Großteil bei uns in Deutschland ausmachen, darüber herrschte bei den Akteuren Einigkeit. Wie weit wir bis dahin tatsächlich in der Umsetzung etwa bei Themen wie E-Mobilität, Künstliche Intelligenz oder Energiespeicher sind, scheint dagegen auch für die Experten noch nicht voraussagbar. Für die TechnologieRegion Karlsruhe ist Energie neben Mobilität und Digitalisierung eines der Topthemen. „Unser Ziel ist es, Leuchturm-Region für eine zukunftsfähige Energiestrategie zu werden, indem wir die global gedachte Energiewende bei uns regional umsetzen. Wir wollen CO2-frei werden“, erklärte Jochen Ehlgötz. Der TRK-Geschäftsführer sieht in der Region ausreichend Innovationspotenzial, um sich hier auf internationalen Plattformen entsprechend zu positionieren und für Investoren attraktiv zu sein.

Bei der Frage nach der Kostenentwicklung wurde schnell klar, dass es der angestrebte Wandel Geld kostet. „Wir sollten aber nicht vergessen, der Wandel war eine gesellschaftspolitische Entscheidung und einen Weg zurück gibt es nicht“, appellierte Ringwald und gab gleichzeitig zu bedenken, dass der Preis für Privatstrom lediglich 20 Prozent der Stromrechnung ausmache. Die restlichen 80 Prozent seien Steuern und Abgaben. Durch die regenerative Energiegewinnung, die von äußeren Umweltfaktoren abhängig ist, prognostiziert der EnBW-Vertreter für die Zukunft stärker schwankende Strompreise. Für Lars Ziegenbein von den Karlsruher Stadtwerken ein Grund, warum sich ein Trend zu energieautarken Haushalten entwickle. Sowohl Privathaushalte wie Unternehmen versuchten Kosten zu senken, indem sie selbst Energie produzierten. „Wir müssen uns an den Bedürfnissen unserer Kunden orientieren und regionale Lösungen entwickeln“, so Ziegenbein, der sich sicher ist, dass Energie in der Zukunft als regionales Thema wichtig bleibt: „Auch in 50 Jahren wird es noch Kabel geben.“ Nach Ansicht der Experten spielt die Digitalisierung eine große Rolle beim Energiekonsum. In der Branche sei der Markt für Fachleute auf diesem Gebiet praktisch leergefegt. Das sei ein anstrengender Prozess, der vor allem viel Kommunikation und Transparenz erfordere, beschreibt Ringwald einen Wandel nicht nur bei der Energieerzeugung sondern auch innerhalb des Unternehmens: „Wir müssen unsere Mitarbeiter auf diesem neuen Weg mitnehmen.“

Diskutierten beim Marketing-Club Karlsruhe über die Zukunft der Energie(-versorgung): Michael Schön (fokus.energie), Jochen Ehlgötz (TRK), Moderatorin Ariane Bertz und Steffen Ringwald (EnBW) sowie Lars Ziegenbein (Stadtwerke Karlsruhe) (v. links).